Technik
Wärme aus Kehricht
In der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Thun der AVAG Umwelt AG werden jährlich ca. 130'000 Tonnen Abfälle unter umweltschonenden Bedingungen verfeuert. Das Feuer erreicht eine Temperatur von bis zu 1'000°C und erwärmt einen Wasser-Dampf-Kreislauf auf ca. 400°C und 40 bar Druck. Der Dampf wird nun einerseits auf eine Turbine geleitet, die einen Generator antreibt, mit dem Strom erzeugt wird. Zum anderen wird damit via Niederdruck-Schiene und Heizkondensatoren Fernwärme - heisses Wasser - mit ca. 130°C hergestellt.
Von der KVA wird das 130°C heisse Wasser zur Spitzenlastzentrale (SLZ) transportiert. Hier befindet sich das Fernwärme BackUp-System der KVA mit zwei Heizkesseln (20MW + 40MW - betreibbar mit Öl oder Gas), einer 20MW Power-to-Heat-Anlage sowie vier Heisswasserspeichern, die über ein Fassungsvermögen von jeweils 375'000 Litern verfügen. Von der SLZ ausgehend wird die Fernwärme über drei Fernwärmeringe in der Region verteilt. Nach der Nutzung kehrt das Wasser wieder zur SLZ zurück, wo es erneut aufgeheizt wird, womit sich der Kreislauf schliesst.
So lang insgesamt sind die verbauten Fernwärmeleitungen, die von der KVA Thun gespiesen werden.
So viel Fernwärme wurde 2024 von der KVA Thun an die Fernwärme Thun AG abgegeben. Das entspricht einer Steigerung von 43% gegenüber dem Vorjahr.
So viel Heizöl kann umgerechnet dank dem Fernwärmenetz im Raum Thun, Steffisburg, Uetendorf und Heimberg jährlich eingespart werden.
So gelangen die Fernwärmeleitungen in den Boden
Mehrfache Absicherung
Bei der Wahl des passenden Heizsystems tauchen im Zusammenhang mit der Fernwärme gelegentlich Bedenken auf, man mache sich abhängig oder müsse bei einem Ausfall der Kehrichtverwertungsanlage frieren. Diese Sorge ist unbegründet: Die KVA Thun läuft seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2003 ausgesprochen zuverlässig und wird laufend gewartet. Und sollte es doch einmal zu einem Ausfall kommen, ist die Fernwärmeproduktion gleich mehrfach abgesichert – selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Störung ist die Versorgungssicherheit damit jederzeit gewährleistet.
Trägheit
Fernwärme ist träge: ein kurzer KVA-Ausfall von wenigen Minuten oder sogar Stunden wäre im Normalfall im Fernwärmenetz noch kaum spürbar.
Wärmespeicher
Bei einem kurzfristigen KVA-Ausfall an einem extrem kalten Wintertag kann die Wärme während 1 – 2 Stunden aus Heisswasserspeichern bezogen werden. Die vier Speicher befinden sich direkt neben der KVA Thun, haben eine Höhe von 30 Metern und ein Fassungsvermögen von jeweils 375'000 Litern.
Gas
Weiter verfügt die AVAG über zwei Heizkessel, die direkt an einer Gasleitung angeschlossen sind. Im Notfall könnte damit genügend Fernwärme für das gesamte Netz produziert werden.
Öl
Sollte nun einmal – aus welchen Gründen auch immer – kein Gas mehr bezogen werden können, können die Heizkessel auch mit Heizöl betrieben werden. Um einen mehrere Tage dauernden KVA-Ausfall auffangen zu können, hält die AVAG ein externes Öllager.
Power-to-Heat
Falls nun auch die Fernwärmeproduktion mit Öl nicht mehr möglich sein sollte, könnte die AVAG mithilfe ihrer sogenannten Power-to-Heat (P2H) Anlage Strom aus dem Netz beziehen und damit Wasser aufheizen, um das Fernwärmenetz weiter mit heissem Wasser zu versorgen. Dabei handelt es sich jedoch um ein Notfallszenario und nicht um den eigentlichen Zweck der P2H-Anlage.
Was ist eine P2H-Anlage?
Die P2H-Anlage der AVAG (resp. ihrer Tochterunternehmung, der Future Hub Region Thun AG) kommt zum Einsatz, wenn die Strommenge im Übertragungsnetz zu hoch ist und eine Netzüberlastung droht. Anstatt den überschüssigen Strom verpuffen zu lassen, kann die Energie mithilfe der P2H-Anlage in Form von heissem Wasser gespeichert und anschliessend in das Fernwärmenetz eingespeist werden.
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